Textwerkstatt Freie Texte
Das Treffen
Von Marie Kathrin Schlicht, 12 Jahre
„Hallo Mami, ist die Wendy da?“, ruft Natascha aufgeregt. „Ja, Tascha, sie ist da.“ Natascha wirft schnell ihre Schultasche auf den Boden und holt sich die Wendy. Bevor sie das coole Extra bestaunen kann, fällt ihr ein Zettel in die Hand. Ein Aufschrei, eine Drehung um sich selbst und dann Stille; dann rennt sie schnell zu ihrer Mutter. „Mama, weißt du, was in der Wendy steht?“ Ihre Mutter grinst: „Nein, weiß ich nicht, aber du wirst es mir sicher gleich sagen.“ Dann erzählt sie: „Also in der Wendy steht, wer eine Geschichte darüber schreibt, wie man die Wendy findet, oder das malt, oder irgendwas anderes, Hauptsache es ist positiv, darf die Wendy treffen. Ich meine die, die die Wendy spricht. Ist das nicht geil?“ Ihre Mutter meint nur: „Du darfst gerne daran teilnehmen, aber versprich dir nicht zuviel davon, weil da machen sicher tausende Mädchen mit.“ Tascha sagt nur: „Ja, ja, Mami.“
Als sie nach einiger Zeit mit den Hausaufgaben fertig ist, ruft sie ihre Freundin Nina an, um sie zu fragen, ob sie mitmachen will. Sie ist nämlich auch ein ganz großer Wendy-Fan. Nina ist auch begeistert: „Mensch das ist ja cool, aber was könnten wir den machen?“ - „Na ja, das weiß ich nicht. Aber wir müssen auf jeden Fall was Ausgefallenes nehmen. Wir können das ja so machen: Jeder lässt sich das Thema durch den Kopf gehen, und dann stimmen wir uns morgen ab. O.k.?“ - „Na logo, immerhin fällt mir auch nichts Besseres ein“, meint Nina.
Am nächsten Tag sagt Nina: „Hi Tascha, wie wäre es denn, wenn wir irgendwas basteln über die Wendy… wie zum Beispiel die Bianca auf Prinz oder so? Wir müssen die ja nicht in Lebensgröße basteln. Nur in so einem kleinen Format.“ Tascha meint: „Ja, sowas Ähnliches habe ich mir auch überlegt.“ - „Gut, können wir uns heute treffen?“, meint Nina. „Leider nein“, antwortet Tascha, „ich hab heute Schwimmen. Aber dafür kannst du schon mal Gips kaufen, für die Figur! Morgen können wir uns dann verabreden.“ Da kann Nina zusagen.
Am nächsten Tag treffen sie sich bei Nina. „Cool“, sagt Tascha, „du hast ja schon alles aufgezeichnet und ausgemalt, dann kann der Rest jawohl kaum so schwer sein!“ Das sagte sie so leicht. Als sie jetzt am arbeiten sind, merken sie, dass das doch nicht so leicht ist. Später betritt Ninas Mutter den Raum. „Na, ihr beiden, ihr habt ja fleißiger als Bienen gearbeitet! Übrigens, Tascha, deine Mutter hat eben angerufen. Sie meinte, wenn du Lust hast, kannst du heute bei uns schlafen.“ Tascha ruft: „Klar will ich!“ - „Das hat sich deine Mutter auch gedacht und so kommt sie gleich um deine Sachen zu bringen.“ Tascha jubelt: „Das ist ja supercool!“ Kurz nach dem erfreulichen Gespräch, kommt auch schon Taschas Mutter. „Hier mein Schatz“, meint sie und gibt ihr eine Tasche. Danach gehen die Mädchen in Ninas Zimmer, natürlich ganz stolz. Aber dann werden sie wieder ernst. Sie müssen an ihrer Skulptur weiter machen. Am Abend ist sie fertig, schnell machen sie ein Foto von der Figur auf Taschas Digi-Cam, gehen an den Rechner von Ninas Vater und drucken das Bild aus. Sie meinen beide, es sähe super aus. Als dann der Vater von Nina kommt, meint selbst der, dass es gut aussieht (und er sagt sonst nie was).
Am nächsten Tag ist Wochenende. Tascha und Nina tauschen, und so schläft Nina bei Tascha. Mittags gehen die beiden schnell zur Post. Eine Woche später ruft das Wendy-Team bei Tascha an: Sie und Nina kämen nicht auf den dritten Platz. Da hat Tascha schon Tränen der Enttäuschung in den Augen. Dann sagen die Leute am Telefon: „Ihr seid nicht auf Platz drei, sondern auf Platz eins!“ Tascha jubelt, lacht, schreit und andere Sachen. Sie ist sowas von happy. Als sie fertig ist (mit ihrem Aufstand), erzählt der Mann am Telefon, dass sie übermorgen Wendy treffen darf, mit Nina natürlich. Schnell ruft sie Nina an und erzählt ihr die ganze Geschichte. Als sie fertig ist, kann die Freundin erst mal nichts mehr sagen. Als sie sich gefasst hat, sagt sie: „Das stimmt aber, oder?“ - „Na klar, mit sowas lüge ich nicht!“, meint Tascha entsetzt. „Ja, ja reg dich ab“, nuschelt Nina. Jetzt kommt von Tascha eine schwerwiegende Frage: „Was ziehen wir an?“ - „Ich bin dafür, wie gehen ganz normal. Wir sind ja keine Modepuppe wie Vanessa“. Beide lachen. Sehr laut.
Kurz bevor sie zum Parkplätze vom Studio ankommen, überkommt sie Nervosität. Aber als sie dann die Wendy-Schauspielerin sehen, tun sie ganz cool. Doch sie sind immer noch ganz aufgeregt, und das merkt man auch. Tascha sagt zu ihrem Vater, der sich ganz offensichtlich langweilt: „Du kannst ruhig gehen.“ Als er das hört, sieht er aus, als würde er sich ein Jubeln verkneifen. Aber für Tascha und Nina ist es ein unvergesslicher Tag. Wendy meint, die Skulptur wäre super. Sie fragt die beiden Mädchen, ob sie im Comic mitspielen wollen. Die beiden sind so happy, dass sie nichts sagen können. Es fehlt nicht mehr viel und Nina fällt in Ohnmacht. Tascha hat dafür keine Zeit. Sie macht mit ihrem funkelnagelneuen Handy tausende Fotos, von jeder Sache zweimal. Von Vanessa, Oliver, Tanja, Sarah und und und. Aber das Beste ist für die beiden, dass sie zum Schluss mit Bianca, Vanessa, Tanja, Sarah und Sina einen Ausritt machen. Tascha auf Dixi und Nina auf Penny. Was alle in Erstaunen bringt, ist, dass Penny keine Angst hat. Sonst lässt sie keinen auf sich, außer Wendy und Michael. Am Ende gibt es eine Party mit allen vom Rosenborg-Team.
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